Gedanken zur Pferdehaltung

 

 

Es wurde schon sehr viel in entsprechenden Fachzeitungen über Pferdehaltung geschrieben, doch muss ich leider feststellen, dass sich die Dinge nur sehr schleppend zu Gunsten der Pferde verändern. Ich möchte hier gar nicht auf die verschiedenen Möglichkeiten eingehen, sondern nur einige grundsätzliche Gedanken dazu aufzeigen.

Nach wie vor existieren die „Haftanstalten“ mit einstündigem Arbeitsausgang, sehr reichhaltiger Vollpension, feuchtwarmer Raumluft und entsetzlicher Langeweile.

Eigentlich möchte doch kein Reiter seinem Tier schaden – im Gegenteil – es werden weder Kosten noch Mühen gescheut, die jeweils neu auf den Markt gebrachten Zusatzfutter und Pflegemittel, Kräuter und Pülverchen einzusetzen. Allerdings sind diese Dinge oft nicht nur unnütz, sondern nicht selten auch schädlich.

Wenn ich dies alles so verfolge, frage ich mich manchmal, wie Pferde früher überhaupt überlebt haben. Es könnte allerdings tatsächlich sein, dass sie länger lebten, weil sie auch gesünder waren.

Unbestritten ist das Pferd ein Steppentier, das von Natur aus in der Lage war, sich auch von kargem Boden (Steppe) zu ernähren. Täglich wurden ca. 16 Std. zur Futteraufnahme- und Suche verwendet, wobei große Strecken zurückgelegt werden mussten. Es sind Herdentiere, die sich nur im Gruppenverband sicher und wohl fühlen.

Dieses Tier wird nun in eine 10 m² große Box eingesperrt, kann sich praktisch kaum bewegen und erhält dazu solch reichliche Futtermengen, dass es schon fast an Mast grenzt. Sozialkontakte werden möglichst unterbunden, Maulberührungen durch Gitterstäbe als ausreichend empfunden. Man stelle sich nur die unbeschreibliche, gähnende Langeweile vor, die diese Pferde erleiden müssen. Hat man dann erfolgreich durch permanentes Abschneiden von Frischluftzufuhr, den chronischen Bronchitiker gebastelt, dann nimmt man den Tieren auch noch die einzige Beschäftigung, nämlich Strohknabbern, indem man sie auf Späne stellt. Der etwa einstündige Ausgang bedeutet die meist mehr oder weniger harmonische Begegnung mit dem Reiter. Es ist wohl nur dem ausgesprochen gutmütigen Charakter des Pferdes zuzuschreiben, dass es überhaupt zu irgendeiner Arbeit zu bewegen ist. Ein großer Teil der Erkrankungen des Bewegungsapparates ist auf die Haltung mit mangelhaftem freien Auslauf und falscher Fütterung zurückzuführen. Ein Sportler liegt ja auch nicht dauernd im Bett und trainiert eine Stunde pro Tag.

Es gibt keinerlei wirtschaftliche Gründe, Pferde so zu halten. Es ist praktisch überall möglich, in kleinen Schritten Abhilfe zu schaffen und den Tieren wenigstens mehrere Stunden täglich Gruppenauslauf zu gewähren, die stinkenden, dunklen Ställe mit Fenstern und Lüftungen zu verbessern, die Gitterstäbe herauszunehmen und so den Tieren wenigstens ein klein wenig das Leben zu verschönern. Und sie werden es mit Sicherheit danken, indem sie besser mitarbeiten und gesünder bleiben. Die Mühe, die dies für den Reiter macht, z.B. mehr putzen, sollte doch jeder Tierliebhaber gerne in Kauf nehmen. Und Reiter sind doch Tierliebhaber, oder?

Es erscheint für mich unbegreiflich, dass noch heute neue Reitanlagen in alter Tradition mit Einzelboxen und Vollvergitterung gebaut werden. Sie sehen nur besser aus, teilweise haben die Pferde kleine betonierte Paddocks, welche dann der Einfachheit und der Kostenersparnis mit Elektrozaun statt Holz eingefriedet werden. Wie muss sich das Pferd wohl fühlen in diesem Stromfeld.

Ich möchte allen Pferdebesitzern, deren Tiere in solchen Ställen untergebracht sind, ans Herz legen, darüber nachzudenken und eine bessere Lösung für ihr Tier zu suchen oder die bestehenden Zustände gemeinsam mit Reitfreunden zu ändern. 

Diese Gedanken wurden mit freundlicher Genehmigung von  Frau Barofke vom Gut Göritz übernommen