5.
Angebote im Ponyhof KAATA
Wie sieht ein Nachmittag im
Ponyhof KAATA aus, an dem man sich über Angebote informieren und weitere
Aktivitäten planen könnte?
Zur Erleichterung der
Kontaktaufnahme ist der großzügige Zufahrtsbereich ansprechend und einladend
gestaltet. In Frühling und Sommer wird der Besucher durch eine bunte Blumenfülle
empfangen, in den Herbst- und Wintermonaten wird der Jahreszeit entsprechend
geschmückt.
Der Ponyhof Kaata ist barrierefrei
gestaltet, auch die Boxen sind ohne Schwellen gebaut und mit Rollstuhl bzw.
Kinderwagen befahrbar. Rollstuhl, Kinderwagen etc. sind den Tieren bekannt und
werden angstfrei in der Umgebung akzeptiert. Stallgassen und Außengelände sind
gepflastert bzw. mit Paddockplatten befestigt und bieten reichlich Raum zum
Rangieren auch mit größeren Geräten. Die Reithalle ist ebenfalls im
Eingangbereich außerhalb de Reitbahn befahrbar. Im Hauptstall befinden sich
sanitäre Anlagen und Waschgelegenheiten.
Damit genügend Zeit für
Begrüßung und Kennen lernen bleibt, werden feste Termine bei
Ponyhof Kaata vereinbart und
eingehalten. Jeder neue Besucher kann erst einmal den Pony Hof und sämtliche
Tiere in Begleitung besichtigen und erste Kontakte aufnehmen. Stress und Hektik
sind auf dem
Ponyhof Kaata unerwünscht. Jeder Besucher soll in Ruhe alles sehen und auf sich
wirken lassen können. Daher nehmen wir uns besonders beim ersten Besuch viel
Zeit.
Durch einen konstanten
ruhigen und geduldigen Umgang sind alle Tiere auf dem
Ponyhof Kaata freundlich und
neugierig aber nicht aufdringlich. Sie kennen Besucherkontakt, freuen sich über
neue Gesichter und verhalten sich meist mustergültig. Besucher werden von ihnen
interessiert empfangen. Jedes Pferd wird einzeln mit seiner Lebensgeschichte
vorgestellt und kann gestreichelt werden. Die Sympathien der Besucher verteilen
sich nach kurzer Zeit meist sehr unterschiedlich auf die in ihrem Charakter sehr
verschiedenen Pferde des Hofes.
Auch die anderen Tiere
werden besucht und begrüßt, und es gibt immer wieder Menschen, die sich viel
lieber anderen Tieren als den Pferden widmen, wegen denen sie ursprünglich
gekommen sind. Die Kaninchen leben in einem großen, gut einsehbaren Gehege. Sie
sind immer neugierig und lassen sich gern streicheln. Für viele Erwachsene ist
es eine ganz neue Erfahrung, ein Kaninchen auf dem Arm statt in der Pfanne zu
haben. Durch ihre bunte Vielfalt haben sie fast alle Besucher, die zu uns
kommen, für längere Zeit in ihren Bann gezogen. Nicht nur die Kinder lieben
es, längere Zeit einfach nur im Gehege zu sitzen und das bunte Treiben um sich
herum zu betrachten. Bei größeren Gruppen müssen Wartelisten erstellt werden,
wann wer bei den Tieren sein darf, auf denen die Erwachsenen wie die Kinder auf
ihrem Platz bestehen.
Abseits von den übrigen
Tieren leben im hinteren Wiesenbereich in Nähe der Paddocks Enten, Gänse und
Puten. Erschreckend viele Menschen, auch Erwachsene, kennen diese Tiere nur in
gerupfter und tief gefrorener Form aus dem Supermarkt. So ist auch die Angst vor
den Vögeln oft größer als vor den Pferden. Dass auch diese Tiere Lebewesen
mit positiven Eigenschaften, Bedürfnissen und Gefühlen sind, soll den
Besuchern nahe gebracht werden. Ein Nachdenken über die aktuellen Formen der
Massentierhaltung nicht nur von Geflügel sondern auch von Schweinen und Rindern
kann so angeregt werden. Fast alle Besucher sind sehr erstaunt, dass z.B. eine
Ente auf Zuruf angeflogen kommt, gestreichelt werden kann, etc. Das Geflügel
ist sehr auf Josefine Lesser geprägt, dient im Wesentlichen zur Beobachtung und
wird für ambulante Einsätze nicht verwendet.
Es gibt auf dem Ponyhof Kaata
mehrere ruhige Sitzbereiche. Dorthin zieht man sich
nach dem Rundgang zurück zum Verarbeiten der ersten Eindrücke. In einer überdachten
Sitzecke webt jedes Jahr eine Kreuzspinne ein wunderbares Netz. Für die Kinder
liegen Papier und Stift bereit, sie
können
Spinne und Netz oder andere Erlebnisse als Erinnerung abzeichnen. Währenddessen
wird mit den Eltern ein Gespräch zur weiteren Planung geführt. Auftretende
Fragen werden beantwortet, mögliche Ziele besprochen und erste Tipps und
Vorschläge gegeben. Die Informationen müssen erfahrungsgemäß erst einmal
verarbeitet und sortiert werden. Meist komm nach ein paar Tagen noch ein
Telefonanruf, in dem offene Fragen geklärt und das weitere Vorgehen besprochen
werden. Wenn z.B. einem Kind mit einem bestimmten Problem weiter geholfen werden
soll, müssen die Eltern und andere wesentliche Bezugspersonen den Weg dorthin
verstehen und mit gehen können.
Allgemeines
Ziel ist, Kindern wie Erwachsenen die Natur, Tiere und Pflanzen, in ihren
gegenseitigen Zusammenhängen näher zu bringen, und auch unsere eigene enge
Verflechtung mit der Natur zu verdeutlichen, zusammen mit den Verpflichtungen
die sich daraus ergeben. Tiere dürfen nicht als Nahrungsmittel, Statusobjekt
oder verhätscheltes Kuscheltier gesehen werden. Sie gehören selbstverständlich
zu unserem Leben mit ihren Wahrnehmungen, ihrer speziellen nonverbalen
Kommunikation und ihren wichtigen Aufgaben in dieser Welt. Dabei muss vermittelt
werden, dass jedes Insekt, mag es auch noch so unscheinbar sein, und auch alle
anderen scheinbar „ekligen“ und abstoßenden Tiere genauso wichtig sind wie
große und attraktive Tiere wie Kaninchen oder Pferde. Wenn man verinnerlicht
hat, dass jedes Tier eine eigene Aufgabe und damit seine eigene Würde hat und
es verdient, mit Respekt behandelt zu werden, kann man auch bewusst die
wunderbare, positive Ausstrahlung der Tiere auf Kinder und Kranke wahrnehmen und
nutzen.
Besonders
kleinen Kindern und geistig Behinderten, die ihre Kindlichkeit bewahrt haben, fällt
dieser Zugang zur Natur leicht, da sie noch nicht das von der heutigen
Gesellschaft geprägte Konsumdenken und –Verhalten haben. Deshalb ist die
tiergestützte Arbeit mit diesen Klientengruppen besonders befriedigend und
erfolg versprechend. Aber auch für andere lässt sich, wenn man es möchte, ein
guter Weg zum Tier und seiner Seele finden, die positiven Effekte für den
Menschen stellen sich dann fast von selbst ein.
Vom
ersten Kommen an sollen die kleinen und großen Besucher ein Stück Wohlbefinden
mit nach Hause nehmen. Sie können dann in Ruhe überlegen, ob und welche
tiergestützte Aktivität für sie von Nutzen ist.
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