Grundsätzlich müssen alle
Tiere, bevor sie in der Therapie eingesetzt werden können, in einem sehr guten
Gesundheitszustand sein. Ein krankes Tier ist oft missgelaunt, weniger geduldig
und nicht so stresstolerant, kann daher bei der Therapie nicht richtig
mitarbeiten. Zu sehr guter Gesundheit gehört auch eine Freiheit von Ekto- und
Endoparasiten (regelmäßiges Entwurmen, Entflohen etc.). Neben
Tierschutzaspekten steht dabei natürlich auch der Schutz des Klienten vor
Infektionen im Vordergrund. Der Gesundheitszustand der Tiere muss täglich und
vor dem Einsatz vom Halter und in regelmäßigen Abständen vom Tierarzt
kontrollier werden, je nach Tier mindestens ein- bis viermal jährlich im Rahmen
von Impfung und Entwurmung.
Ein sehr guter Pflegezustand
versteht sich von selbst, Anblick und Berühren des Tieres sollen angenehm und
nicht von Begleiterscheinungen wie üblen Gerüchen, Absonderungen oder starker
Verschmutzung begleitet sein. Auch bei Einbindung des Klienten in die Körperpflege,
z.B. beim gemeinsamen Putzen eines Pferdes als Begrüßungsritual, sollte das
Tier nicht übermäßig verschmutzt sein. Offensichtliche Pflegefehler wie z.B.
Hautekzeme oder ungepflegte Hufe dürfen nicht sein. Hierbei ist zu beachten,
dass man bei der Arbeit mit Tieren auch eine Vorbildfunktion hat, an der sich
die Klienten dann im Umgang mit einem eigenen Tier orientieren.
Charakterlich muss sich ein
Tier, das zu Therapiezwecken eingesetzt werden soll, durch ein gutmütiges Wesen
mit ausreichend Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit auszeichnen. Weder ein zu
ängstliches noch ein zu dominantes Tier ist geeignet, da es besonders bei
unsicheren Klienten ein gefährliches Verhalten zeigen könnte. Nur ein Tier mit
einer guten Sozialisierung, das also artgerecht aufgezogen wurde, kann das
notwendige reiche Spektrum an natürlichen und einschätzbaren Verhaltensweisen
zeigen, das wir für den therapeutischen Einsatz benötigen. Grundsätzlich muss
es menschenfreundlich und neugierig sein, sich gern anfassen und streicheln und
als Kleintier auch hochheben lassen. Es darf auch in Stresssituationen nicht
kratzen oder beißen, sondern muss auf Hilfe durch seine Begleitperson warten.
Es muss sich der Therapiesituation anpassen können ohne weg zu rennen.
Wichtig ist außerdem
Toleranz gegenüber Umweltreizen bei der Arbeit (z.B. durch regelmäßiges
Scheutraining). Auch ansonsten im Alltag nicht vorkommende Maschinen und
Geräte, Gerüche und Geräusche (z.B. Kinderwagen, Rollstuhl, Beatmungsgerät)
müssen dem Tier vertraut sein. Dazu notwendig sind regelmäßiges Training der
Therapiesituation und eine gute, sichere Beziehung zur begleitenden
Bezugsperson.
Im Tierschutzgesetz sind die Grundlagen des Umgangs mit Tieren festgelegt: Der Mensch trägt Verantwortung für das Tier. Das Tier ist ein Mitgeschöpf, dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen sind. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerz, Leid oder Schäden zufügen.
Herkunft und Ausbildung:
Raja stammt aus dem Tierheim. Sie wurde mit knapp 2 Jahren trächtig ausgesetzt.
Über ihre Sozialisation und Prägung ist nichts bekannt. Wesentliche Fehler dürften
dabei aber nicht gemacht worden sein, da während ihrer inzwischen 7-jährigen
Haushaltszugehörigkeit keine wesentlichen Verhaltensaufälligkeiten
festgestellt wurden. Raja hat den Grundgehorsam in der Hundeschule erlernt und
wird kontinuierlich nach dem Prinzip der positiven Bestärkung (s. z.B. Pryor,
Rai) weitergebildet.
Charakter:
Raja ist ein ausgesprochen geduldiger, ruhiger Hund, der seine Stellung als
Omegatier in der Familie gut verinnerlicht hat. Sie ist sehr kinderlieb und lässt
sich von diesen auch mal härter anpacken oder am Fell ziehen. Gegenüber
anderen Tieren, insbesondere Hunden und Katzen, ist sie, wenn sie es selbst
entscheiden kann, eher defensiv und zieht sich zurück. Aufgrund ihrer Erfahrung
ausgesetzt worden zu sein hängt sie sehr an „ihrem“ Menschen und ist nicht
gern allein. Sie fährt ausgesprochen gern Auto, kennt auch keine Scheu vor
Menschenmengen. Lediglich bei lauten plötzlichen Geräuschen sucht sie Schutz.
Einsatz in der Therapie:
Raja kommt schon sehr lange mit in die psychotherapeutische
Praxis. Im Therapiezimmer hat sie mehrere Stellen unter den Tisch und in
verschiedenen Ecken, wohin sie sich zurückzieht, wenn sie ihre Ruhe haben möchte.
Sie hat während ihres Einsatzes kontinuierlich Zugang zu frischem Wasser. Viele
Patienten bringen ihr Leckerlis mit, die sie ihr zum Abschluss der Sitzungen als
Dankeschön geben dürfen. Die Einsätze beschränken sich auf maximal 2
Vormittage in der Woche. Raja wird als „Eisbrecher“ eingesetzt, um ein für
Gespräche günstiges Klima herzustellen. In der Depressionsbehandlung schenkt
sie durch ihr freundliches, zutrauliches Wesen und über die Möglichkeit
gestreichelt zu werden Wärme, Zuwendung und Zuneigung, sowie das Gefühl für
andere sorgen zu können. Weitere Aufgabenbereiche sind das
Selbstsicherheitstraining bei Ängsten und die Desensibilisierung bei einer
spezifischen Hundephobie. Bei sehr klammernden und vereinnahmenden Patienten
kommen Führübungen zum Einsatz, bei denen Raja demonstriert, das Klammern beim
Gegenüber eher Weglauftendenzen auslöst, während ein gelassenes Freiheit Gewähren,
z.B. Loslassen von der Leine, dazu führt, dass das Gegenüber entspannt
dableibt. Aufgrund ihres Alters wird Raja nicht mehr sehr lange mitarbeiten können,
momentan ist sie noch mit Freude und Ausdauer dabei. Entsprechend ihrer
Belastbarkeit werden Einsatzdauer und –Häufigkeit aber mittelfristig
reduziert werden müssen. Da sie seit Jahren als einzelner Hund in der Familie
lebt und auch anderen Hunden gegenüber eifersüchtig reagiert, wenn die in
engeren Kontakt mit mir treten, soll ihr Status als Einzelhund respektiert
werden. D.h. ein neuer Hund wird erst dann ausgesucht und ausgebildet werden,
wenn Raja nicht mehr lebt, so dass eine Pause in der Arbeit mit einem
Therapiebegleithund eintreten wird.
Familie als Rudel. Im
Welpenalter wichtig ist eine positive Prägung auf Menschen in der vierten bis
achten Lebenswoche, außerdem muss der Welpe in der Sozialisierungsphase bis zum
Ende der 12. Woche eine Beißhemmung bekommen. Bis zum Ende des ersten
Lebensjahres sind dann Rangordnung und Kontakte zu Hunden anderer Rassen zusätzlich
zur Erziehung zum Grundgehorsam notwendig. Raja lebt in der Familie mit 3
Kindern. Sie darf sich im Wohnhaus frei bewegen und Anschluss suchen, hat aber
auch ihren eigenen ungestörten Schlafplatz als Rückzugsbereich. Direkt dem
Haus angegliedert ist ein großer Garten, den Raja zusätzlich zu ihren regelmäßigen
Spaziergängen frei nutzen kann. Ihr liebster Ausgleich sind Stöckchen- und
Ballspiele sowie lange Spaziergänge mit Rennen, Graben und Mäusejagd auf den
Wiesen der Umgebung. Sie hat ständig Zugang zu Wasser und Trockenfutter. Raja
ist kastriert und gechipt. Sie wird regelmäßig geimpft, entwurmt und tierärztlich
untersucht.
Mira: Hauskatze,
geboren März 2009
Herkunft
und Ausbildung: Mira wurde mit knapp 4
Wochen von einem Bauernhof geholt, wo gerade ein Wurf Katzen getötet wurde, und
gemeinsam mit einer Geschwisterkatze per Hand aufgezogen. Dadurch ist sie sehr
auf Menschen geprägt. Sie befindet sich zur Zeit noch in der Ausbildung. Die
einzelnen Schritte werden mit viel Zeit, Ruhe und Belohnung nach dem System der
positiven Bestärkung erarbeitet. Mira soll ausgebildet werden, mit ins
Kinderhospiz zu gehen. Die Katzentransportkiste steht ständig für sie zugänglich
da, Mira hat sich darin inzwischen einen ihrer Schlafplätze eingerichtet. Sie
ist an ein Führgeschirr gewöhnt und kommt hin und wieder als „Eisbrecher“
mit zu Einsätzen in die Psychotherapiepraxis.
Charakter:
Mira ist sehr menschenbezogen, geht auch auf Fremde aufgeschlossen zu, streicht
ihnen um die Beine und untersucht sie ausgiebig. Sie hat gelernt, nicht zu
kratzen. Sie ist aufgrund ihres Alters noch sehr verspielt und etwas unruhig,
setzt sich daher nur kurzfristig zum Schmusen auf den Schoß. Gegenüber anderen
Tieren (Hunde und Katzen) ist sie eher dominant.
Einsatz in der Therapie:
Durch die Anwesenheit von Mira im Therapiezimmer verändert sich oft schon das
Klima derart, dass ein Gesprächskontakt wesentlich leichter und lockerer
hergestellt werden kann. Besonders bei der Behandlung von Depressiven sorgen
Beobachtung der Katze und Spielen mit ihr für Auflockerung und Erheiterung, so
dass die Stimmungslage wenigstens vorübergehend aufgelockert werden kann.
Desweiteren ist die Katze ein gutes Anschauungsobjekt, wie man auf charmante
Weise eigene Bedürfnisse durchsetzen kann, so dass die Umwelt glücklich ist,
einen zu umsorgen. Mira hat im Therapiezimmer ihre Transportbox als Rückzugsraum,
eine Katzentoilette, sowie ständigen Zugang zu frischem Wasser. Zum Abschluss
der Therapiesitzung dürfen die Klienten, wenn es ihrem Wunsch entspricht,
Leckerlis reichen. Mira ist maximal einen Vormittag pro Woche in der Praxis und
wird dann nur bei einem Patienten eingesetzt.
Mausi:
Dülmener-Konik-Mix , 13 Jahre.
Herkunft und Ausbildung: Mausi
wurde Ende 2005 von einem Pferdehändler gekauft, wo sie eine Zeitlang im
Schulbetrieb gegangen war. Sie hat eine klassische Dressurausbildung, wird am
Boden nach Parelli gearbeitet und bekommt regelmäßiges Gelassenheitstraining
in Anlehnung an die GHP-Gelassenheitsprüfung (Kaltwasser).
Charakter: Mausi
ist ein ruhiges, gleichzeitig auch sehr sensibles Pony. Besonders bei Reitanfängern
ist sie sehr vorsichtig, passt ganz bewusst auf, ihren Reiter richtig auf dem Rücken
zu balancieren. Erfahrene Reiter testet sie gern, z.B. beim Hufe geben, und
verlangt dann eindeutige und konsequent durchgesetzte Kommandos. Bekommt sie
diese nicht, mogelt sie sich um ihre Aufgaben herum oder übernimmt die Führung.
Ist ihr Reiter energisch und fordert sie, kann sie sehr temperamentvoll sein und
z.B. auf Ausritten, bis auf lange Galoppstrecken, mit einem Araber Schritt
halten. Mausi ist durch ein kontinuierliches Gelassenheitstraining scheufest und
bleibt auch auf Kindergeburtstagen, Schulfesten und bei Laternenumzügen ruhig.
Sie hat lediglich Angst vor Gullydeckeln, woran kontinuierlich gearbeitet wird,
so dass sie nicht mehr wie zu Beginn bis auf die andere Seite der Straße
ausweicht. Ein Betreten der Gullydeckel wird auch aus Sicherheitsgründen
(Wackeln, Rutschgefahr) nicht angestrebt. Ihre Bezugsperson bei der Arbeit ist
Dorothea Hammann, außerdem hat sie noch eine jugendliche Bezugsreiterin für
Pflege, Schmusen und Ausritte. Mausi muss früher einmal schlimm geschlagen
worden sein, denn sie hat lange Zeit große Angst vor Männern und vor Gerten
gehabt. Die letztere Angst hat jetzt noch den Effekt, das Mausi bereits auf
einen in der Hand gehaltenen trockenen Grashalm mit unbedingtem Gehorsam
reagiert.
Einsatz
in der Therapie: Aufgrund ihrer sehr
weichen Gänge, ihres geringen Wurfes und ihrer Trittsicherheit eignet sich
Mausi sehr für Einsätze zur Linderung von
Spastik oder Rückenschmerzen. Außerdem ist sie aufgrund ihrer Vorsicht
gut geeignet, kleine Kinder an das Reiten heran zu führen. Sie ist das
wesentliche Psychotherapiepferd und arbeitet bei der Behandlung psychisch
Kranker und behinderter Erwachsener mit. In der Bodenarbeit hat sie sich bei
Erwachsenen bewährt zur Förderung von Durchsetzungsfähigkeit und
Selbstbewusstsein. Da sie kleinste Gefühlsregungen spiegelt, wird sie gern zur
Selbsterfahrung eingesetzt. In der Arbeit mit jungen Borderline-Patientinnen
dient sie als Bindungsmedium, um überhaupt eine längerfristige therapeutische
Beziehung, in der dann auch Konflikte ausgetragen werden können, zu ermöglichen.
Mausi wird max. 1 Stunde täglich an max. 2 Tagen
in der Woche therapeutisch eingesetzt. Nach jeder Therapiestunde wird sie
von ihrer Bezugsreiterin Korrektur geritten. Als Ausgleich finden lange, zügige
Ausritte ins Gelände, Bodenarbeit nach Parelli und Gymnastizierung über
Cavaletti statt.
Dickes
und dünnes Pony: Welsh-Cob B, Alter 7
und 9 Jahre
Herkunft
und Ausbildung: Die Ponys wurden von
einem Händler und Ausbilder hochträchtig bzw. mit Fohlen bei Fuß gekauft und
liefen ursprünglich als Passgespann. Als Fahrpferde haben sie keine klassische
Reitausbildung, gehen aber seit vier Jahren im Reitbetrieb als Kinderponys.
Regelmäßiges Gelassenheitstraining und viel Bodenarbeit ziehen sich als roter
Faden durch ihr jetziges Dasein. Sie sind auf Kinder spezialisiert und tragen
bereits Zwei- bis Dreijährige sicher und vorsichtig durch die Welt. Durch ihr
Stockmaß von 1,40 m sind sie auch für Erwachsene reitbar und werden regelmäßig
Korrektur geritten und nach Hempfling ausgebildet.
Charakter:
Es handelt sich um sehr sensible
Pferde, die schnell die jeweilige Lage einschätzen und
sich darauf einstellen können. So spiegeln sie unmittelbar den Zustand der
sie umgebenden Personen wieder. Sie sind sehr auf Josefine Lesser, auf ihre
verbalen aber auch körpersprachlichen Signale geprägt, so dass sie immer eine
enge Verbindung zu den Tieren halten und sie mit für andere unsichtbaren
Signalen steuern kann. Dadurch bleibt die Situation immer überschaubar und
kontrollierbar. Das dicke Pony ist etwas ruhiger und gelassener, dadurch
besonders gut für ängstliche Kinder und Erwachsene geeignet. Da sie immer
ruhiger wird, je hektischer die Umgebung ist, ist sie auch gut für hyperaktive
Kinder und Rollstuhlfahrer einsetzbar. Das dünne Pony setzt im Umgang am Boden
wie beim Reiten klare Grenzen, was machbar ist und was nicht. Sie korrigiert
dadurch ganz schnell Selbstüberschätzung und ist gut geeignet
Selbsterfahrungen zu machen.
Einsatz
in der Therapie: Beide Ponys werden
mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Reitbetrieb 3 – 4 Stunden täglich
eingesetzt. Dabei sind beide sehr gut geeignet, am Boden Kindern und Erwachsenen
Angst zu nehmen und Sicherheit zu vermitteln. Das dicke Pony ist darüber hinaus
auch für ängstliche und unsichere Reiter sehr gut einzusetzen und für die
Longenarbeit. Durch ihre Fähigkeit zur Abgrenzung kann das dünne Pony
einerseits übergriffige und übermütige Reiter in ihre Schranken weisen und
deutlich zeigen, wo diese anderen zu nahe treten. Andererseits können durch den
Umgang mit ihr Selbstbewusstsein und Durchsetzungsfähigkeit gesteigert werden.
Aufgrund der hohen Belastung unter der Woche im Reitbetrieb wird darauf
geachtet, dass die beiden Ponys mindestens zwei Tage in der Woche frei haben, um
sich auf Koppel (im Sommer) bzw. Paddock (im Winter) zu erholen. Entspannende
Ausritte ins Gelände, Gelassenheitstraining und ausgiebige Bodenarbeit wie oben
beschrieben sind zur Gesunderhaltung selbstverständlich.
Jella:
Deutsches Reitpony, Alter 13 Jahre
Herkunft
und Ausbildung: Jella war als
Einsteigerpony gekauft und dann wegen Wachstums des besitzenden Kindes überflüssig
geworden und hatte längere Zeit allein in einem Offenstall gelebt. Sie kam
Anfang 2007 in schlechtem Pflegezustand zu uns und musste zunächst eine Weile
aufgepäppelt werden. Sie klassisch ausgebildet und wird wie die anderen Ponys
am Boden nach Hempfling, Kaltwasser und Parelli gearbeitet.
Charakter:
Jella ist ein ausgesprochen freundliches kleines Pferd, das keine Pony-Unarten
hat. Obwohl sie nur von Kindern geritten wird, da sie maximal 50 kg tragen kann,
ist sie sensibel, fein und weich im Maul und gehorsam. Sie genießt Putzen und
andere Maßnahmen der Körperpflege sehr deutlich, so dass es den Kindern Freude
macht, sie zu verwöhnen. Auf Ausritten kann sie mit Großpferden Schritt halten
und bleibt im Gelände sowohl als Führpferd als auch ohne
„Sicherheitsleine“ zuverlässig und scheufrei.
Pferdehaltung: Die
Grundbedürfnisse der Equiden haben sich in den 5000 Jahren ihrer Domestizierung
unabhängig von ihrer Nutzung kaum verändert (Zeidler, Due). Pferde sind in
Gruppen lebende Tiere, die soziale Kontakte benötigen. Sie sind neugierig,
daher müssen sie im alltäglichen Leben so viele Möglichkeiten, diese Neugier
auszuleben, wie möglich haben. Das bedeutet, dass sie Ansprache benötigen, möglichst
viel Erkundungsmöglichkeiten, selbstständige Bewegung, etc. In den Gruppen
stellt sich ein soziales Gefüge her, das durch neu hinzukommende Pferde immer
wieder gestört wird. Normalerweise sind Herdenverbände relativ konstant. In
der freien Natur bewegen sich Pferde täglich etwa 16 Stunden pro Tag, was
notwendig ist für einen gesunden Bewegungsapparat, die Gesunderhaltung der
Atemwege und des Stoffwechsels, aber auch für die Ausgeglichenheit und
Charakterfestigkeit. Sie brauchen ruhige und sichere Ruheplätze. Man kann
merken, dass sie ein Pferd wohl fühlt, wenn es auch beim Herannahen vom
Menschen ruhig liegen bleibt, egal ob in der Box oder auf der Weide. Während
der Wach- und Bewegungszeiten sind Pferde normalerweise kontinuierlich mit der
Nahrungsaufnahme beschäftigt, ebenfalls etwa 16 Stunden pro Tag.
Die Berücksichtigung dieser
Grundbedürfnisse der Pferde bedeutet für die Pferdehaltung auf der Ponyhof
KAATA: Weil kontrollierte Bewegung, z.B. über Training oder Ausritte, das
Bewegungsbedürfnis der Pferde nicht ersetzen kann, erhalten die Pferde täglich
Bewegungsmöglichkeiten. Im Sommer leben sie ganztags auf der Koppel, im Winter
kommen sie tagsüber auf Paddocks und auf dem Hof in der gleichen
Zusammensetzung wie in der Sommerherde. Koppeln, Paddocks und Hof sind von der
Bodenstruktur und durch Baum- und Buschbestand abwechslungsreich gestaltet. Die
Herden, in denen die Pferde auf die Koppeln gehen, werden sorgfältig
zusammengestellt, Pferdefreundschaften werden berücksichtigt. Die
Zusammensetzung der Herden wird nicht ohne triftigen Grund geändert.
Bei den Koppeln wird auf
eine sichere Einzäunung, ergänzt durch Elektrozaun, geachtet. Der Zustand der
Pferde wird zweimal täglich kontrolliert. Es wird darauf geachtet, dass immer
ausreichend Futter vorhanden ist, um eine Überweidung zu vermeiden. Morastige
Stellen werden nicht beweidet. Nach dem Abweiden werden die Koppeln gepflegt
durch Schleppen, Mulchen etc. Auf den Koppeln finden sich Gebüsche und Bäume für
Sonnen- und Regenschutz.
Die Ponystuten leben in den
Sommermonaten rund um die Uhr im Herdenverband auf Magerwiesen und werden nur für
die Therapie- und Reitstunden von der Koppel geholt Da Mausi zu Übergewicht
neigt, bekommt sie außer Gras im Sommer bzw. Heu im Winter kein weiteres
Futter. Zur Verbesserung ihrer Hufqualität erhält sie regelmäßig Biotin.
Jella hat eine Neigung zu Rehe, ihre Futterration wird daher streng kontrolliert
und ihr Zugang zu Gras besonders im Frühjahr und nach Kälteperioden beschränkt.
Im Stall hat jedes Pferd
seine Einzelbox, um einen sicheren Liegeplatz zu gewährleisten. Die Boxen sind
durch halbhohe Bretterwände voneinander abgetrennt, so dass die Pferde
untereinander weiter in Kontakt bleiben und einen freien Ausblick aus der Box
haben können. Auch bei der Belegung der Boxen wird genau darauf geachtet,
welche Pferde sich vertragen und deshalb gut nebeneinander stehen können. Die
Pferde erhalten während der Aufstallzeit reichlich hochwertiges Heu aus eigener
Produktion in 4-5 kleinen Mahlzeiten. Entsprechend der natürlichen Fresshaltung
wird eine bodennahe Fütterung durchgeführt. Außer Heu haben die Pferde immer
noch reichlich Stroh zum knabbern, so dass sie nie nüchtern aus dem Stall
gehen. Für zu dicke Pferde wird das Heu in Heunetzen gegeben, um die Fresszeit
zu verlängern. Zusätzliches Kraftfutter wird der Leistung des jeweiligen
Pferdes angepasst gegeben. Damit eine Kontrolle über den Wasserverbrauch des
Tieres möglich ist (z.B. Nierenfunktion) haben die Pferde keine Selbsttränken,
sondern Wassereimer.
Die Hygiene im Stall wird
sehr ernst genommen. Dazu gehört tägliches komplettes Ausmisten, zusätzliches
Absammeln der Pferdeäpfel, regelmäßige Entfernung von Staub und Spinnweben,
Desinfektion und Neumalen der Boxen 1-2x jährlich. Beim Errichten des Stalls
wurde auf große Fensterflächen, gute Belüftung unter Vermeidung von Zugluft
und eine breite Stallgasse von 4m geachtet, um einerseits Staub- und Keimgehalt
der Luft gering zu halten, und andererseits die Stalltemperatur der Außentemperatur
anzupassen und somit das Risiko von Atemwegserkrankungen zu senken. Für Pferde
mit Hustenneigung stehen Außenboxen zur Verfügung.
Bei der Pflege der Pferde
wird eine tägliche Gesundheitskontrolle durchgeführt. Ein auf Pferde
spezialisierter Tierarzt kommt regelmäßig zu Untersuchungen, Impfungen und bei
Krankheiten. Die Pferde werden mehrfach im Jahr simultan entwurmt. Für die
Hufpflege kommen regelmäßig mindestens alle acht Wochen ein Schmied bzw. ein
Hufpfleger. Die Pferde sind zur Verringerung der Verletzungs- und Rutschgefahr
unbeschlagen. Ausnahme sind orthopädische Beschläge bei Huffehlstellungen, die
Mausi in den Sommermonaten an den Vorderhufen benötigt. Der Zahnarzt kommt 1-2x
im Jahr zur Gebisskontrolle. Selbstverständlich werden die Pferde tgl. geputzt.
Desweiteren beginnt auch jede Reitstunde mit einem Putzritual.
Herkunft
und Ausbildung: Die Kaninchen, ein
Bock, zwei Weibchen und ihre jeweiligen Jungtiere, sind von Josefine Lesser
selbst gezogen und an Menschenkontakt gewöhnt. Sie erhalten täglichen Kontakt
und Ansprache, leben auf dem Ponyhof KAATA inmitten der anderen Tiere in Außenstallhaltung
und kennen so verschiedene Geräusche und Aktivitäten in ihrer Umgebung.
Haltung:
Kaninchen werden seit gut 1000 Jahren
in verschiedenen Rassen gezüchtet. Sie haben sich ihre Instinkte und Bedürfnisse
in dieser relativ kurzen Zeit bewahrt. Sie leben nachtaktiv in Gruppen, brauchen
Platz zum Rennen und Hakenschlagen aber auch Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten.
Das Bedürfnis zur Graben und Höhlen zu schaffen ist groß. Auf dem Ponyhof
KAATA leben die Kaninchen im Winter und nachts in einer großen, umgebauten
Pferdebox mit verschiedenen Kletter- und Versteckmöglichkeiten. Der Bock hat
seinen eigenen abgetrennten Bereich, um in Kontakt zu bleiben, aber eine
unkontrollierte Fortpflanzung zu vermeiden. In den Sommermonaten kommen die
Tiere tagsüber ins geschützte Freigehege, das regelmäßig kontrolliert und
gegen Durchgraben täglich auf dem Rasen des Ponyhofs umgesetzt wird. Die
Kaninchen erhalten als Futter hochwertiges Heu aus Eigenproduktion, Möhren, Äpfel,
Gras und Kräuter als Frischfutter und trockenes Brot sowie Stöcke zum Benagen.
Die Einstreu besteht aus einem Späne-Stroh-Gemisch. Die Weibchen werden einmal
jährlich in Frühjahr gedeckt, um den Kindern Tiere verschiedenen Alters zeigen
zu können. Bei Wunsch und nach ausreichender Prüfung, dass das Kind richtig
mit dem Tier umzugehen weiß, kann z.B. nach einer Ferienfreizeit ein
„Bezugskaninchen“ mitgenommen werden. Die Kaninchen werden regelmäßig
mindestens vielmal jährlich tierärztlich kontrolliert, besonders die Länge
von Krallen und Zähnen.
Geflügel
Herkunft
und Ausbildung: Die Tiere, momentan je
ein Paar Gänse, Enten und Puten, wurden als frisch geschlüpfte Küken gekauft
und von Josefine Lesser groß gezogen. Da Vögel aufgrund ihrer vielen
Fressfeinde grundsätzlich scheu sind, wurden sie geduldig an Menschenkontakt
gewöhnt und kommen jetzt auf Zuruf angeflogen. Ein direkter Kontakt zu den
Klienten ist nicht geplant und auch von diesen nicht gewollt. Besonders der
Ganter zeigt bei Fremden seinen Beschützerinstinkt und kann dann bösartig
auftreten.
Einsatz
in der Therapie: Besonders bei
Senioren, auch bei Demenzkranken, bietet sich der Einsatz von Geflügel an, an
das oft noch Kindheitserinnerungen bestehen. Die weißen Tiere sind auch von
Sehbehinderten gut wahrzunehmen und zeigen ein abwechslungsreiches Verhalten,
das zu Austausch von Beobachtungen und eigenen Geschichten anregt. Aussehen,
Verhalten und Kommunikation der Tiere können beobachtet und deutlich gehört
werden und dienen in der Psychotherapie als Ausgangspunkt für Selbsterfahrung
und therapeutische Gespräche. Das Komfortverhalten der Tiere (Baden in Sand und
Wasser, Federpflege) ermuntert zum Nachdenken, wie freundlich man eigentlich mit
sich selbst umgeht, und kann Impulse zur Verbesserung der Selbstfürsorge
setzen. Gleichzeitig kann der Ganter zeigen, wie man auch als eigentlich relativ
kleines und schutzloses Wesen durchaus imponierend und Furcht einflößend
auftreten kann. Da die Tiere aus der sicheren Entfernung hinter einem Zaun
beobachtet werden, sind sie auch für erste Tierkontakte von ängstlichen und
zurückhaltenden Menschen gut geeignet. Viele Menschen haben Geflügel bislang
nur in tief gefrorenem Zustand erlebt und sind erstaunt über die Rassevielfalt
und das differenzierte Gruppenleben. Besonders Gänse und Puten sind ja selbst
im bäuerlichen Alltag kaum noch zu sehen.
Meerschweinchen
(in Planung)
Herkunft und Ausbildung: Die Meerschweinchen sollen aus einer kleinen Hobbyzucht mit artgerechter Haltung geholt werden. Um die Herde möglichst homogen zu gestalten, wird sie aus etwa gleich alten Jungtieren von wenigen Würfen zusammengestellt. Die Meerschweinchen werden mit Hilfe der positiven Bestärkung durch Stückchen attraktiven Futters daran gewöhnt, auf dem Schoß ruhig zu sitzen, sich streicheln und sich füttern zu lassen.
Einsatz in der Therapie: Das Meerschweinchengehege soll den Tieren als persönlicher Rückzugsraum erhalten bleiben. Zutritt zum Gehege soll daher den Klienten verwehrt bleiben. Geplant sind zwei Einsatzbereiche: Mit Hilfe eines mobilen Geheges kann der Kontakt über die Hortmethode hergestellt werden. Möglich sind dann die Beobachtung der Tiere und ihres artgerechten Verhaltens, das Schaffen einer angenehmen Umgebung für die Tiere mit Naturmaterialien und das Sammeln von Kräutern für Futterzwecke. Im Rahmen des Tierbesuchsdienstes im Altenheim sollen die Tiere mit der Präsenzmethode eingesetzt und den Bewohnern gereicht werden, so dass diese die Möglichkeit haben, direkt mit einem Tier Kontakt aufzunehmen, es zu streicheln, auf dem Schoß zu halten und mit kleinen Futterstückchen (Apfel, Möhre, Salat, Gurke, Löwenzahn etc.) zu füttern. Auch im Kinderhospiz bieten sich je nach Zustand der Kinder Hort- und Präsenzmethode an.
Haltung: Meerschweinchen sind tagaktiv, leben in größeren Gruppen mit einer Rangordnung. Da sie auch in Freiheit häufiger ihre Umgebung wechseln, sind sie für den Einsatz im Tierbesuchsdienst gut geeignet. Die geplante Meerschweinchengruppe soll aus männlichen, kastrierten Tieren bestehen. Als Gehege steht ein umgebauter, rattensicherer, ehemaliger Schweinestall zur Verfügung, in dem die Tiere auf verschiedenen Ebenen herumlaufen, klettern und sich verstecken können. Jedes Tier erhält ein eigenes Häuschen als Rückzugsmöglichkeit. Das Gehege wird mit einem Gemisch aus Kleintierstreu und Stroh eingestreut, als Futter erhalten die Tiere selbst produziertes Heu von sehr guter Qualität (siehe Pferdehaltung), Frischfutter in Form von Äpfeln, Möhren, Salat, Kräutern und Gras sowie getrocknetes Brot, Äste und Zweige zum Benagen. Bei ausreichend guter Witterung erhalten die Tiere in einem mobilen Gehege, das nach oben gegen Katzen und Raubvögel geschützt ist, Auslauf auf einer geschützten Wiese. Zur Pflege gehören tägliches Reinigen des Geheges, tägliche Gesundheitskontrollen und regelmäßige Kontrollen von Zähnen und Krallen durch den Tierarzt mindestens viermal im Jahr.
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